Abenteuer Bahnfahren

Neulich in der Bahn überlegte ich ernsthaft, ob mein ständig zuckender Sitznachbar öfter mal aufstößt, Darmwinde verströmen lässt, oder sich einfach nur in die Hose geschissen hat *würg* als mir dann bewust wurde, wie pervers so eine Überlegung eigentlich ist wollte ich nur noch raus aus dem beschissen stinkenden Zug..

Wer erkennt auch ein Gesicht im Zug?

Wer erkennt auch ein Gesicht im Zug?

Als meine Hand gerade zur Notbremse wandern wollte, stapfte ein mies gelaunter Schaffner in unseren Waggon. Mit “FAHRSCHEINKONTROLLE!!” kündigte er sich an und weckte zugleich unsaft die Passagiere, die irgendwie bei dem ganzen Gequatsche und Ausscheidungen der Anderen, Schlaf finden konnten. Ich überlege mir, dass es wahrscheinlicher ist, dass sie einfach ohnmächtig geworden sind.

Langsam arbeitet er sich unaufhaltsam zu mir vor, ich krame in meinen Taschen nach meiner Fahrkarte. Er scheint meine langsam verzweifelt gewordene Suche zu wittern und arbeitet sich nun doppelt so schnell vor *kaputt* . Mein Nachbar den ich in Gedanken “Stinki” getauft habe, hält freudestrahlend seine mit irgendetwas braunem beschmierte Fahrkarte freudestrahlend in den Händen.
Bei dem Anblick wird mir übel, ich schlucke und suche weiter nach meiner VERDAMMTEN FAHRKARTE. x_X

Er ist nur noch 2 Sitzreihen entfernt. Mein Blick wandert erneut zu Stinkis Fahrschein, bin ich wirklich schon so tief gesunken, dass ich für “Mindestens 40€ ohne gültigen Fahrausweis” sprichwörtlich in die Scheiße greifen würde? Nein, soweit ist es noch nicht.

Dann steht er vor mir, nur widerwillig hat er Stinkis Karte abgezeichnet und nun schaut er zu mir herrunter..
Er starrt mich mit einem sehr glasigen Blick an, seine Augäpfel sind auch seltsam rot, als wären ganz viele kleine Äderchen geplatzt.
Außerdem vertströmt er einen mir nur zu gut vertrauten süß-würzigen Geruch. In Gedanken benenne ich den zuvor als Bastard Schaffner of Hell betitelten Man um in Grasskäppchen. Der Mann ist stoned, der ist so drauf wie man nur sein kann! Eine Welle der Erleichterung überschwemmt mein angespanntes Gemüt.

Als ich meinen Blick endlich von diesen roten Augäpfeln lösen konnte, die irgendwie erwartungsvoll durch mich hin durch in die Ferne schielten, kam mir eine Idee. Aus meinen Taschen kramte ich einen Kassenbon und hielt ihn dem Kontrolleur unschuldig lächelnd hin, er schaute 2 Sekunden (in denen ich Blut und Wasser geschwitzt habe) angestrengt auf den Kaufbeleg, nickte und stempelte ihn ab.

Völlig perplex aber glücklich steckte ich den Bon wieder ein, irgendwo aus dem nächsten Waggon dröhnte ein dumpfes “fahrscheinkontrolle”. Wenige Minuten später musste ich umsteigen, fröhlich wie ein junges Reh auf Ecstasy hüpfte ich aus der Bahn, den Zug am selben Bahnsteig gegenüber entgegen. Setzte mich auf den nächsten freien Platz und entspannte mich, jedoch nicht lange..

Denn eine übel riechende Wolke Ausdünstungen breitete sich im Abteil aus, es war Stinki, er musste auch umgestiegen sein und hatte sich wohl mit seinem “Verein der sich-niemals-Waschenden” in diesem Zug zu einem Ausflug verabredet. Mir wird schwummrig, ich kann nurnoch Schämenhaft erkennen, wie Stinki einen kleinen Zettel hinten aus Seiner Hose zieht, dann wird Alles schwarz.. *skull*

(Die Geschichte ist zum Teil frei erfunden Anm. des Joschas)

14.12.2009 | Poesie |

Ring my Bell

Für alle die langeweile haben, hier eine kleine lange & lustige Kurzgeschichte:

Ring my bell

Ich war gerade aus meinem Traum aufgeschreckt, die Schatten der
letzten Traumgeschöpfe befanden sich spinnwebengleich im Raum,
da klingelte das Telefon bereits. Normalerweise lag es im Wohnzimmer,
wo es zu jedem Moment läuten konnte, ohne dass ich dadurch erwachte,
ich war geschützt durch die dicke Tür aus altem Holz, die mir sozusagen
eine Callcenter- und Gewinnspiel freie Zeit garantierte bis ich die
goldene Klinke herunterdrückte und die ersten Schritte auf dem alten
Parkett tat. Gestern jedoch war ich eingeschlafen, in Gedanken noch
bei meiner Freundin, die mich vor einigen Monaten verlassen hatte,
das Telefon neben das Bett gelegt. Und so war das erste Geräusch,
dass ich heute Morgen hörte, das melodiöse Klingeln.

Wie bei so vielen Anrufen leuchtet mir auf dem Display nur ein
verächtliches "Teilnehmer unbekannt" entgegen, spöttische Form des
"ätsch, Du hast keine Chance, dem Anruf zu entgehen, könnte ja
wichtig sein". Eingewickelt in meinen alten Bademantel nahm ich den
Hörer ab.

"Hallo." sagte eine sanfte Stimme. Weiblich, dachte ich. Wie nett.
"Ich rufe von einer Tierschutzorganisation an…"
Ich lächelte und machte ein Kreuzchen bei Tierschutz während ich,
das Telefon in der Hand, in die Küche ging um den Kaffee aufzusetzen.
Die junge Dame erzählte mir derweil, wie schlecht es den Tieren ging.
Ich hörte zu, gleichzeitig aber schaltete ich den Computer an und
setzte mich hin.
"Ja, ich kann mir vorstellen, wie es für die Tiere ist." meinte ich
ruhig. "Ich habe ja auch zwei Katzen. Sie sind manchmal extrem
entnervend, aber ich möchte sie nicht missen."
"Oh, ich habe auch zwei Katzen." sagte die junge Dame.
Das Gespräch ging weiter, wir plauderten über dies und das,
über unsere Haustiere, den fehlenden Einsatz für den Tierschutz,
das fehlende Geld. Der Kaffee wurde fertig und ich holte mir eine Tasse,
trank, dann flogen meine Finger wieder über die Tastatur vor mir,
sorgten für Berechnungen und Analysen, während ich die junge Dame,
in deren Stimme ich mich spontan verliebt hatte, weiter nach Hobbies
etc. fragte.

Dann war es soweit. Der große Moment war gekommen.
Der Moment der Offenbarung.
"Ich liebe Sie." sagte ich mitten in ihre Spendenaufforderung hinein
und es herrschte plötzlich Stille. "Ich liebe Sie. Und ich werde Sie
heute Abend anrufen, ja? Wir gehen Essen und tanzen den Abend lang.
Ihre Adresse habe ich ja schon."
Jetzt wurde sie spöttisch.
"Ja, klar. Sie haben gar nichts… woher auch?"
Natürlich -die Rufnummer war unterdrückt, aber das war kein Problem.
Sanft klärte ich sie über die Möglichkeiten der Technik auf, wenn man
an entsprechender Stelle arbeitete, über Analysemöglichkeiten,
die auch Falschangaben berücksichtigten und Wahrscheinlichkeiten.
Jetzt wurde sie doch etwas unruhig. "Sie haben nie im Leben meine
Telefonnummer. Und auch sonst nichts." Aber sie war besorgt,
sonst hätte sie ja längst aufgelegt. Ach, die Faszination des
Angstmachenden, sie war so wunderbar.

"Ich zeige Sie an." meinte sie eine halbe Stunde später heiser.
"Sie belästigen mich. Und mein Name etc…"
Sie brach ab und ich konnte förmlich hören wie sie nachdachte.
"Liebes", meinte ich weich. "ich belästige niemanden. Du hast mich
angerufen. Übrigens könnte man das auch als Belästigung ansehen -
nach dem UWG. Aber ich fühle mich nicht belästigt. Und es ist doch
gar nicht schlimm, wenn wir uns mal treffen, hm? Vielleicht mögen wir
uns ja sogar sehr gerne."
Sie knallte den Hörer auf die Gabel und ich fragte mich, ob ich sie
jemals kennenlernen würde. Ihre Stimme war wunderbar gewesen,
so wunderbar. Aber eigentlich hatte ich jetzt nur fast 6.000 Namen,
die in Frage kämen und so wichtig war es auch wieder nicht. Aber ich
musste lächeln als ich daran dachte, wie sie wohl jetzt in ihrem
Callcenter saß und wartete, ob das Telefon vor ihr klingeln würde
oder nicht.
Quelle: Twister, Bettina Winsemann (Heise Forum)

03.03.2009 | Poesie |